Interview zur Ausstellung Unseen Westeros

Künstler Kirill Barybin im Interview


Im Januar 2019 soll die für Game Of Thrones Fans konzipierte Ausstellung „Unseen Westeros“ in Berlin stattfinden. „Unseen Westeros“ ist die bisher ungesehene Welt der „Game Of Thrones“ Reihe. Über 40 Künstler aus der ganzen Welt haben sich zusammengeschlossen und 80 Kunstwerke entworfen. Mit einem der Künstler, Kirill Barybin, habe ich mich in Berlin Prenzlauer Berg am Wasserturm getroffen. Wir haben uns über „Unseen Westeros“ und seine Arbeit als Concept Designer ausgetauscht.


Kirill es freut mich dich kennenzulernen. Wie laufen die Vorbereitungen für „Unseen Westeros“?


Hey Denise, schön deine Bekanntschaft zu machen und vielen Dank für das Interview!


Die Vorbereitungen sind noch voll im Gange. Der Anspruch an die eigenen Arbeiten sorgt meist dafür, dass man immer Kleinigkeiten an den Bildern findet, die noch ein wenig mehr Feinschliff benötigen. Da fällt es manchmal schwer den Haken hinter zu setzen und die Bilder abzuschließen.

 


Ausstellungsort ist das verlassene Umspannwerk in Reinickendorf, warst du bereits da und wie fühlt sich dieser Ort für dich an?


Ich hatte leider noch nicht die Möglichkeit die Location vor Ort unter die Lupe zu nehmen, finde aber den Mix aus industriellem Gewölbe und mittelalterlichen Artworks genial! Sven Sauer hat schon bei seiner Ausstellung „LOST“ ein wahnsinnig gutes Händchen dafür bewiesen mit der Location die Wirkung der Kunstwerke zu verstärken. Bei Unseen Westeros weiß ich, dass das Team noch eine Schippe drauflegen wird.

 


Du arbeitest zusammen mit Sven Sauer an einem Projekt, wird es auch von dir allein Arbeiten geben?


Ja, das wird es! Für meine eigene Arbeiten werde ich mich mit den „Bearded Priests“ von Norvos auseinandersetzen. Sie sind die politischen und religiösen Führer der Stadt Norvos, eine der freien Städte von Essos. Als Meister der Langaxt gehören sie zudem zu den Elitekämpfern der GoT-Welt.

Da die Hintergrundinformationen zu den Priestern von George R.R Martin noch recht wage sind, habe ich noch viel Spielraum, um ihrem Design meinen eigenen Stempel zu verpassen und darauf freue ich mich am meisten!

Vergesst nicht...

... das Kickstarter Projekt zur Realisierung von „Unseen Westeros“ zu unterstützen.

Seit wann bist du als Concept Designer unterwegs und wie sieht dein Alltag aus?


Ich arbeite nun schon seit Ende meines Bachelor Studiums (Game Design) vor knapp drei Jahren in der Unterhaltungsindustrie.


Es gibt eigentlich kaum einen Auftrag bei dem nicht der erste Task des Tages die Recherche ist. Einfach drauf los skizzieren geht immer, aber erst die Recherche macht ein Design glaubwürdig. Wenn beispielsweise ein Characterconcept für ein Videospiel benötigt wird, welches in den 1930ern angesiedelt ist, muss ich wissen  wie die Menschen gekleidet waren, wie sich deren Umwelt auf ihr Äußeres ausgewirkt hat oder wie die Persönlichkeit der Figur das Aussehen beeinflusst. Die Aufgabe ist im Grunde Disziplinen wie Modedesign, Storytelling und Acting der Figur zu vereinen und einen interessanten Character zu gestalten. Meist hat der Kunde ein Briefing für mich, in dem die Rahmenbedingungen für das Design definiert sind. Wie genau es ist und wieviel Freiraum für Kreativität mir zugesprochen wird, variiert von Job zu Job.


Nach der Recherche geht es dann in die Skizzenphase, die dem Kunden präsentiert wird. Anschließend darauf wird so lange iteriert bis ein finales Design bestätigt ist. Da heute Videospiele und Filme meist einen hohen Anspruch an Realismus haben, muss das Design noch ausgearbeitet werden was schon mal je nach Detailgrad von ein paar Tagen bis zu einigen Wochen in Anspruch nehmen kann.

Eintauchen in das kalte und raue Klima von Sibirien - „SWARM“, Arbeiten von Kirill Barybin zu seiner Bachlorarbeit

Inwieweit verarbeitest du Persönliches in deinen Arbeiten oder klappt das nur bei eigenen Projekten?


Bei Aufträgen fällt es mir in der Tat schwer viel von mir selbst in die Arbeiten zu stecken. Dabei ist meist der Zeitdruck und die Tatsache, dass man die Vision des Kunden umsetzt und nicht die Eigene, der Grund dafür möglichst effizient und zielorientiert zu arbeiten. Dabei bleibt das eigentlich Kreative manchmal auf der Strecke.


Um die Batterien wieder aufzuladen und auf lange Sicht nicht auszubrennen, ist es in der Branche von Notwendigkeit, dass man sich Zeit für eigene Projekte nimmt. Sei es ein Leidenschaftsprojekt oder einfach das Experimentieren mit verschiedener Software. Beides versuche ich so oft es geht in meine Freizeitplanung einzubauen. Dabei entsteht auch mal ein nerdiges Game-Fanart, wenn mir danach ist! :)

Du bist unter anderem für das KARAKTER Design Studio in Berlin tätig und warst für „Call Of Duty - Black Ops III“ oder auch „Shadow Of War“ involviert. Was genau war hier deine Aufgabe?


Bei beiden Jobs war die Aufgabe tatsächlich recht ähnlich, obwohl das Endprodukt nicht unterschiedlicher hätte sein können. Bei beiden Projekten waren neben mir noch einige weitere Artists von KARAKTER beteiligt, da solch eine realistische und detailverliebte Ausführung alleine kaum umsetzbar ist.

Da ich für meinen Workflow recht oft 3D als Hilfestellung heranziehe, war es meine Aufgabe für die weitere Ausarbeitung der Bilder eine 3D Basis aufzubauen. Hierbei habe ich die Freiheit die Lichtsituation, Kameraperspektive und die Komposition zu bestimmen, ohne alles von Grund auf Zeichnen zu müssen. Die 3D Basis ist natürlich nur die halbe Miete, da meistens Texturinformationen fehlen und viele Fototexturen noch eingearbeitet werden müssen. Wenn das erledigt ist, geht es dann recht fix in die Illustration der Bilder. Bei beiden Projekten kümmerte mich vor allem um den finalen Freinschliff und die Details im Bild.

 


Und meine letzte Frage an dich, die ich all meinen Interviewpartnern stelle. Was macht für dich Berlin aus?


Berlin ist für mich total ungezwungen und auf „Abruf“ immer bereit. Da bin ich eigentlich ziemlich pragmatisch. Nach knapp 7 Jahren ist es aber auch einfach meine Heimat geworden und ich kann mir momentan keinen besseren Fleck vorstellen.

Zudem kommt der Faktor Community! Die Berliner Digitalart und Gamedeveloper Szene ist eine der größten in Deutschland. Ich hoffe sehr, dass noch mehr internationale Spielentwickler oder Design Studios wie KARAKTER sich dazu entscheiden hier ein Studio zu eröffnen und die Szene zu bereichern!



Danke Kirill für das Interview!



www.kirillbarybin.com

www.unseen-westeros.com

www.karakter.de


Charakter für „CALL OF DUTY Black Ops 3“ und Kulissen für „Middle-Earth: Shadow of War“